Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn ein Mensch seine Arbeit liebt und in dem, was er tut, Erfüllung findet. Arbeit kann Ausdruck von Hingabe, Verantwortung, Kreativität und innerer Berufung sein. Viele Menschen schöpfen daraus Kraft, Identität und das Gefühl, gebraucht zu werden. Problematisch wird es jedoch dort, wo der Wert eines Menschen ausschließlich an seiner Leistung gemessen wird.
Denn sobald Arbeit zum Maßstab für menschliche Würde wird, beginnt etwas Wesentliches verloren zu gehen. Dann entsteht leicht jene unausgesprochene Haltung, dass nur derjenige wirklich etwas zählt, der funktioniert, leistet und sich den gesellschaftlichen Erwartungen anpasst. Menschen, die anders leben, empfindsamer sind, sich stärker nach innen orientieren oder ihren Wert nicht allein über äußeren Erfolg definieren, werden dann oft missverstanden oder subtil abgewertet.
Dabei zeigt sich wahres Bewusstsein gerade darin, zu erkennen, dass Menschen nicht alle denselben Weg gehen müssen. Nicht jeder Mensch ist dafür bestimmt, sich ausschließlich über Leistung und äußere Aktivität zu verwirklichen. Der eine entfaltet sich im Handeln, Organisieren und Erschaffen sichtbarer Dinge, während ein anderer mehr Tiefe in zwischenmenschliche Begegnungen, Kreativität, Stille oder innere Erkenntnis bringt.
Eine reife Sichtweise auf das Leben würde deshalb die Verschiedenheit menschlicher Wesen nicht als Bedrohung empfinden, sondern als natürlichen Ausdruck des Lebens selbst. Denn wirkliche Menschlichkeit entsteht nicht dort, wo alle gleich werden, sondern dort, wo Unterschiede geachtet werden können, ohne daraus Überlegenheit oder Minderwertigkeit abzuleiten.
Bewusstsein beginnt an dem Punkt, an dem der Mensch aufhört, andere ausschließlich nach ihrer Funktion zu beurteilen, und stattdessen wieder lernt, den Menschen hinter der Rolle wahrzunehmen und bewusstes Handeln mit inneren Sein verbindet.
Klaus Praschak
Bild: printerest. de danke

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