Auch nach der zweiten Nacht im Heu ist unser fliegender Gast Andrasch wieder früh aufgestanden und hat nach einem Becher Wasser aus dem Brunnen - sonst nichts - bis zum Abend im bloßen Hemd bei regengrauem Wetter den ganzen Vorplatz und auch unter den Bäumen, wo viel Unrat herumgelegen ist, übersät mit Hühnerschissi, Schlamm, Dreck und Blätter zusammen gekehrt. Er hat Werkkzeuge sortiert, Abfall sortiert, hat sämtliche Wassergefäße zusammen gestellt, um sie am nächsten Tag zu ordnen und zu reinigen. Er wollte am nächsten Tag was bauen für die Holztreppe zu den Tauben hinauf, und mit Xaver das Leck im Dach vorm Hühnerstall richten - - - Alles nahm er so geschickt und flink in die Hand, als wäre er seit Jahren hier vertraut.
Als der Anton kommt - wir nennen ihn immer "Kloa Mo" - sage ich zu ihm: "Den Andrasch hat anscheinend Xavers Mutter geschickt." Anton hat sofort zu weinen angefangen. Ich habe noch nie den Kloa Mo weinen gesehen.
Am vergangenem Sonntag Abend sind der Xaver und ich nochmal beim Grab von Xavers Mutter gewesen, ein Familiengrab, da wo auch der vereinsamte Freund und Rancher-Helfer Heiko begraben liegt, der vor 3 Jahren so plötzlich und verborgen gestorben ist, und der niemanden hatte, der ihn begraben konnte - außer Xaver - ich habe berichtet. Am Grab habe ich der neuen Anweisung entsrechend ein Segenswort gesprochen, Xaver hat es mit Regenwasser als Weihwasser besprengt und gesagt:
"Mutter, lass mich nicht verkommen. Hilf mir." - - "Heiko, mach's gut."
Am nächsten Tag (Montag) begegnte Xaver dem Andrasch und gab ihm die Heu-Herberge.
Andrasch hat den ganzen Schlamm und Dreck zusammen gekehrt ohne zu essen, immer fröhlich, und als es dunkel wurde, arbeitete er ohne Licht weiter. Nach getaner Arbeit nahm ihn der Xaver auf ein bescheidenes Abendbrot mit rein in die enge Stube. Xaver berichtet weiter:
Etwa gegen 21 Uhr sagte Andrasch etwas eilig. "Ich gehe jetzt." Xaver meint, er gehe zu Bett (=Heu) wie gewohnt. Als Xaver wie immer morgens vor Tage aufsteht und Andrasch begrüßen will, der auch immer vor Tage aufgestanden ist , ist kein Andrach mehr da. Nur sein Hemd und ein blinder Spiegel von xaver und die Tachenlampe liegen auf dem Heuballen. Andrasch ist weggeflogen. Wir vermissen ihn.
Vielleicht war er ein Engel. Er brauchte kaum was zu essen, das ganze Brot und die große Krakauer, die ich extra besorgt hatte, hat er bei Xaver in der Stube gelassen. Das Hemd, welches er zurück gelassen hat - Xaver hat ihm eines von sich gegeben - riecht weder nach Schweiß noch nach Erde oder Mist. Und Licht hat er auch nicht beim Arbeiten gebraucht. Bei hereinbrechender Dunkelheit hatte er emsig weiter gearbeitet. Er muss noch am selben Abend fortgeflogen sein. Es war eine dunkle, sternlose Nacht. Er hat auch nicht um Geld gefragt.
Nach längerem Betrachten sind Xaver und ich uns einig: Es muss ein Engel gewesen sein.
Xaver erinnert an einige Impulse vom Altparrer Kittelmann. Xaver sagt zu mir: "Sag ihm, dass seine Impulse echt sind. Jetzt glaub ich auch schön langsam, dass der Andrasch ein Engel war."
+ Gibt es Schutzengel? Müßig so zu fragen. frage lieber: wann habe ich gestern oder heute die Hilfe von Schutzengeln erfahren.
+ Engel stehen immer an der Grenze: Zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch, Denken und Verstehen, Geist und Leib, Zeit und Ewigkeit. So erinnert uns das Bild des Engels daran, ob wir bereit sind, uns über die Schwelle unseres begrenzten Lebens in den weiten Raum Gottes hinüber tragen zu lassen.
+ Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,2.
Ich lese zur Zeit die Russichen Heiligenlegenden. Da kommt jemand in eine Situation, erscheint, hilft, redet, spricht, macht alles gut - und dann verschwindet er wieder mysteriös in den weiten russischen Wäldern - - -
November heißt: mit der Dunkelheit immer tiefer eintauchen in das Geheimnis des Wunderbaren. Dori 5.November 2020
| Großer Vogel fliegt im blauen Licht - Detail aus dem Gemälde "Der Woidwoifi", gestern fertig gestellt. Aber das ist eine andere Geschichte. |
Kommentare
Kommentar veröffentlichen